Obstbäume neu pflanzen

Das Interesse an heimischem Obst aus dem eigenen Garten oder von der Streuobstwiese wächst stark. Auf dem Weg zu Ihrem Lieblingsbaum finden Sie hier die wichtigsten FAQs (Text auch als PDF zum Download).

  • Wie finde ich jetzt die passende Obstsorte? 
  • Welche Form soll der Baum haben? 
  • Wo bekomme ich gute Bäume und geeignetes Zubehör? 
  • Wie pflanze und pflege ich Obstbäume richtig?

Wie finde ich die passende Obstsorte?

Eine tolle Übersicht mit sehr ausführlichen Beschreibungen bietet der Onlineshop der Baumschule Horstmann. Hier können Sie z.B. bei den Äpfeln nach den Kategorien Sommer-, Herbst- und Winterapfel sowie Alte Apfelsorten wählen.
Aber auch vor Ort können Sie sich im direkten Gespräch fachkundig beraten lassen bei der Baumschule Rinn und der Baumschule Engelhardt beide in Heuchelheim bei Gießen.
Schließlich hat der Kreisverband Biedenkopf zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege e.V. in fachkundiger Detailarbeit 140 geeignete Apfelsorten und 96 empfehlenswerte Birnensorten aus unserer Region Marburg-Biedenkopf zusammengetragen. 

Welche Form soll der Baum haben?

Je nach Platzangebot und gewünschter erster Ernte können Sie wählen zwischen Spindelbüschen, Buschbäumen, Halbstämmen und Hochstämmen. Hier finden Sie eine steckbriefartige Übersicht mit Grafik zu den verschiedenen Baumformen.
Die zahlreichen Vorteile von Säulenobst, Spalier und Buschbaum und die beeindruckenden Vorteile von Hochstämmen zeigen, welchen großen Nutzen Obstbäume den Menschen und der Natur bieten!

Wo bekomme ich gute Bäume und geeignetes Zubehör?

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben wir das Glück gleich zwei gute Baumschulen nahebei in Heuchelheim bei Gießen zu haben: Baumschule Rinn und Baumschule Engelhardt. Neben fachkundiger Beratung bieten Sie eine große Auswahl an Obstsorten nicht nur in Buschbaum- sondern auch viele in Hochstamm-Qualität an!
Aber auch die Biobaumschule Pflanzlust in Wolfhagen bei Kassel ist ein gute Adresse. In Ihrem Onlineshop sind wir z.B. fündig geworden auf der Suche nach bestimmten, alten Birnensorten.

Gute Pfosten, langlebige Weidematten (300x180 cm) als Verbissschutz, rostendes Sechseckgeflecht (16 mm) als Wühlmauschutz und Kokosstrick zum Anbinden bietet Ingrid Ruppersberg vom Kornhaus Cölbe, Kasselerstr. 83 an.

Zertifizierten Biokompost zur Verbesserung der Pflanzerde bekommen Sie günstig (18 €/1000 l, 11/2020) als lose Ware in der Kompostierungsanlage in Cyriaxweimar bei Marburg. Hier gibt es auch Häcksel zum Abdecken der Baumscheibe.

Wie pflanze ich einen Obstbaum?

1. Obstbäume vorbereiten 

Die Obstbäume sollten nach der Lieferung bis zum Einpflanzen feucht gehalten werden. Wenn mehrere Wochen dazwischenliegen, sollten sie wurzelabdeckend ins Erdreich eingeschlagen werden. 
Besonders bei wurzelnackten Pflanzen ist zu empfehlen, die Bäume 24 Std. vor der Pflanzung in ein Wasserbad zu stellen, damit sich die Wurzeln vollsaugen.


2. Pflanzlöcher ausheben 
Pflanzlöcher ausheben in der Größe 50x50x50 cm. Grassoden als Gießring rundum legen.


3. Kompost beimischen
Um die Nährstoffaufnahme und auch die Wasserversorgung des jungen Obstbaums sicherzustellen, ist eine Kompostgabe im Pflanzloch von großem Nutzen. Aushub in gleicher Menge mit Kompost mischen. Achten sie auf die Pflanzenverträglichkeit! Diese ist bei dem zertifizierten Biokompost aus der Kompostierungsanlage in Cyriaxweimar, einem Fertigkompost mit Gütezeichen, gewährleistet.

4. Erdlöcher für Pfosten bohren 
Zwei Erdlöcher für die Pfosten jeweils im Abstand von 10 cm zum Loch 

in der Flucht der Baumreihe mit dem Erdbohrer ausheben und Pfosten (L 250 cm, ⌀ 8 cm) mit Vorschlaghammer ca. 50 cm einschlagen. Auf unserer Streuobstwiese verwenden wir nur zwei statt der üblichen drei Pfosten zur Anbindung eines Hochstamms, um die Reihen schmal zu halten wg. des breiten Mähwerks für die Wiese.


5. Wurzelballen mit Wühlmausdraht umschließen 
Pflanzloch mit Wühlmausdraht (100x100 cm) auskleiden und mit etwas Erd-Kompostgemisch auffüllen. Baum in die Pflanzgrube halten und innerhalb des Drahtkorbes mit lockerer Erde bzw. Erd-Kompostgemisch auffüllen. Pflanztiefe an oberster Wurzel orientieren. Drahtkorb am Stamm schließen, dabei darauf achten, dass keinerlei Hohlräume bleiben und Draht direkt am Stamm schließt! Restliche Erde auffüllen.


6. Verbissschutz anbringen
Etikett mit Sortenname am Stamm entfernen und in der Krone befestigen; 

keine den Baum umringelnde Schnüre, Drähte, etc. am Stamm lassen!

Weidematte (ca. 0,5 m x 1,80 m) um den Baum legen und mit Kokosstrick zweimal festbinden: Unten und Mitte.

7. Baum an Pfosten anbinden
Den mit Weidematten umwickelten Baum an den beiden Pfosten mit Kokosstrick etwa ein bis zwei Handbreit unterhalb der Krone fixieren. 

8. Ausreichend gießen
Je nach Witterung und Bodenzustand ausreichend gießen. Immer wieder nach dem Baum schauen besonders in den ersten 2 Jahren; Bäume wollen gepflegt werden - ein ganzes Leben lang!

9. Pflanzschnitt durchführen
Wenn nicht schon in der Baumschule durchgeführt, muss nach der Pflanzung ein Pflanzschnit durchgeführt werden.
Beim Schnitt der Krone werden ein Mitteltrieb (= Stammverlängerung) und drei bis vier gut verteilte Leitäste (= Seitentriebe) ausgewählt, die später das Kronengerüst des Obstbaums bilden werden. Besonders steil stehende Seitentriebe müssen entfernt werden, da sie in Konkurrenz zum eigentlichen Mitteltrieb stehen. Für die Leitäste ist ein Winkel von etwa 45° zur Stammverlängerung optimal.

Die Seitentriebe werden auf die gleiche Höhe eingekürzt, so dass eine ausgewogene Nährstoffversorgung im Astgerüst gewährleistet ist (= Saftwaage). Der Mitteltrieb wird ca. eine Scherenlänge oberhalb der gekürzten Seitentriebe abgeschnitten. Dadurch erhält die Krone des jungen Obstbaumes eine Pyramidenform.

Wie pflege ich Obstbäume?

Die folgenden Empfehlungen gelten für einen Erziehungsschnitt an den 13jährigen Apfelbäumen auf unserer Streuobstwiese Reddehausen, die jetzt in die Ertragsperiode kommen. Wir wollen die Bäume dauerhaft ohne Leiter schneiden. Die eingesetzte Teleskop-Schneidgiraffe erlaubt ein Baumwachstum bis 5 m Höhe, was für einen guten Ertrag völlig ausreicht.
Anderenorts mögen, durch Alter der Bäume oder andere Vorgaben bedingt, andere Empfehlungen sinnvoll sein.

1. Sparsam schneiden
So wenig wie möglich und so viel wie nötig. Grundsätzlich wird ein Obstbaum wg. der Statik, freihängender Früchte sowie einer guten, ansprechenden Struktur geschnitten.
Die beste Zeit für den Obstbaumschnitt liegt im Spätwinter (Februar, März) vor dem neuen Austrieb. Der Baum befindet sich noch in der Wachstumsruhe. Wählt einen frostfreien, trockenen Tag, damit die Schnittstellen schnell und gesund abheilen, ohne Infektionen einzufangen.
Ein sparsamer Schnitt bringt den Baum in Ruhe und regt ihn nicht so stark zum Austrieb an. So reicht es dann oft einen Baum nur alle 3-5 Jahre zu schneiden.

2. Kreuz-und-quer-Äste sowie Wassertriebe weg schneiden
Am Anfang erst mal alles wegschneiden, was kreuz und quer oder nach innen wächst sowie senkrechte Wassertriebe oder „Baum-im-Baum-Äste“. Bei den Wassertrieben nur 80 % wegnehmen, um den Austrieb nicht zu sehr anzuregen. 
Am besten Wassertriebe gleich nach den Eisheiligen im Mai oder Juni im unverholzten Zustand abreißen, so entfernt man gleichzeitig die Beiknopsen, die sonst erneut austreiben. In dieser Zeit ist der Baum eher mit den Früchten beschäftigt als mit den Trieben.

3. Grundgerüst bestimmen
Am besten erst mal um den Baum gehen, um die Struktur aus unterschiedlichen Perspektiven besser beurteilen zu können.
Im Idealfall 1 Mitteltrieb und 3-4 Leitäste bestimmen. Den Mitteltrieb in der Höhe soweit begrenzen, wie die Teleskop-Schneidgiraffe reicht (5 m). Das erspart einem später die Leiter. Die Leitäste, wenn nötig kürzen und ihnen die Fruchtäste mit ihren Seitenzweigen unterordnen. Alte, herunterhängende Fruchtäste auf jüngere Triebe ableiten.
 

4. Gute, ansprechende Baumstruktur schaffen
Beim Schneiden auf eine gute und ansprechende Baumstruktur hinarbeiten. Ein ordentliches Grundgerüst (1 Mitteltrieb und 3-4 Leitäste) erleichtert die Arbeit sehr. 
Die Wirklichkeit sieht aber oft anders aus – kein Mitteltrieb oder 5 Leitäste, wo die einzelnen sich manchmal sogar noch in zwei oder drei aufteilen. In diesem Fall die Gegebenheiten akzeptieren, sich die gute, ansprechende Baumstruktur vorstellen und entsprechend die Zweige und Äste schneiden.
 

5. Auf gute Statik achten
 
Das Grundgerüst im Hinblick auf eine gute Statik schneiden und besonders bei den Fruchtästen darauf achten, dass sie nicht zu lange wachsen.
 Ist durch den Abbruch eines starken Astes der Baum aus der Balance geraten, kann man durch zwei parallele Ritzer in die Rinde versuchen, in der Nähe der Bruchstelle schlafende Augen zu wecken.